Nackte Frauen in der Werbung – Warum das nicht sein muss

Vor einigen Tagen war Weltfrauentag und anlässlich dessen schreiben wir hier einmal, wie wir dazu stehen, dass Produkte auch heutzutage noch mit teils sexistischen Aussagen beworben werden.

 

Die Idee dahinter

 

 

Werbung soll Aufmerksamkeit erlangen und da steht bei vielen “SEX SELLS” an erster Stelle. Da werden Pizzen, Autos, Zeitungen, Dienstleistungen oder andere Produkte, die nicht im Zusammenhang mit einer Frau stehen,  mit solchen Bildern von Frauen in Unterwäsche oder knapper Kleidung beworben. Denn die ziehen ja Blicke auf sich. So geht Werbung, so muss das gemacht werden.

 

Das muss nicht sein.

 

Der ein oder andere mag nun sagen: (Nackte) Männer werden doch auch gezeigt, warum also diese Aufregung? Stimmt – und auch (halb-) nackte Männer sind unserer Meinung fehl am Platz – tatsächlich kommt es aber häufiger vor, dass Frauen als Werbeobjekte behandelt werden.

Was die Firmen sich von dieser Art der Werbung wünsch ist die Aufmerksamkeit der Kunden. Man erhofft sich, dass das Plakat oder die Werbung eher wahrgenommen werden und sich das Produkt so besser verkauft.

Wir zählen übrigens Instagram und Werbung hier auch dazu!

Große und gute Werbeunteragenturen verzichten mittlerweile auf solche Fotos und bekommen mit kreativen Ideen eine viel höher Aufmerksamkeit, als Werbung, die nur darauf abzielt, Aufmerksamkeit durch nackte Haut zu bekommen.

 

Diesen Wandel finden wir sehr positiv und mittlerweile geschieht auch ein Umdenken der Kunden – gut gemachte Werbung benötigt keine nackte Haut. Kunden werden mittlerweile eher durch gut durchdachte Werbung, Slogans und vor allem qualitativ gute Werbung angesprochen.

Wir möchten hier auch noch mal ganz klar erwähnen, dass beispielsweise Dessous für Frauen selbstverständlich auch entsprechend beworben werden muss und darf. Diese Produkte haben aber auch den entsprechenden Bezug.

 

Und die Aktfotografie?

 

Wir sind der Meinung, dass auch Fotografen weiterhin gute Aktfotografie betreiben sollen – solange sie wirklich der Kunst dient und nicht als “Magnet” für mehr Kunden oder Follower.

Aktbilder oder Bilder, die Frauen in Dessous zeigen, sind nicht das Problem. Diese gehören zum Menschen. Wichtig ist die Art und Weise der Darstellung und der erzielten Wirkung.

Wenn eine Dachdeckerfirma also Nachwuchs benötigt – denn wir alle wissen, dass die Handwerksbranche in den letzten Jahren großen Nachwuchsmangel hat – dann sind wir der Meinung, dass diese Firma nicht um Nachwuchs werben sollte, indem sie eine halbnackte Dame und einen coolen Spruch als Werbung zeigen.

 

Was sagen Frauen dazu?

 

Mandy Braun ist als Curvy Model auf den sozialen Netzwerken aktiv und hat ebenfalls Erfahrung mit Sexualisierung der Frauen in der Werbung:

“Sex sells”? – das klappt auf instagram immer. Bilder mit viel nackter Haut bekommen deutlich mehr Aufmerksamkeit, deutlich mehr Likes und Kommentare. Als Model arbeite ich unter anderem mit einer Unterwäschefirma zusammen und poste so häufiger Fotos in entsprechender Unterwäsche. Abgesehen vom instagram-Algorithmus, wodurch “beliebte” Bilder auch mehr Nutzern angezeigt werden, erhalten diese Fotos zum Teil mehr als 100% mehr Rückmeldungen in Form von Likes und Kommentaren. Es wird also direkt deutlich: besonders in den recht anonymen sozialen Medien wird in einer Bilderflut am ehesten ein Bild geliked, auf dem viel Haut zu sehen ist.

 

Auf meinem Account findet man solche Bilder, aber immer mit einer Message. Das ist mir sehr wichtig, besonders, da ich mit meinem Account vor allem für Bodypositivity stehe, was bedeutet, dass der Wert eines Menschen völlig unabhängig von seinem Aussehen ist und jeder wertvoll ist, ganz gleich, ob man einem von der Gesellschaft “anerkannten” Schönheitsideal entspricht.

Die Firma, mit der ich zusammenarbeite, verzichtet beispielsweise ganz bewusst in ihrem Online-Shop auf Retusche und “Optimierung” und zeigt ihre Produkte an Models mit sehr unterschiedlichen Körperformen.

Ich sehe ein Ausnutzen der Nacktheit in Werbung, egal ob auf sozialen Netzwerken für die Eigenwerbung (mehr Follower und Likes durch mehr nackte Haut) oder in anderen Werbeanzeigen als unnötig und falsch.

Erst letztens habe ich eine Werbeanzeige für einen Staubsauger gesehen, das Bild zeigte eine Frau, nur bekleidet mit einem weißen Hemd und Socken, das Hemd gerade so lang, das es die Hüfte bedeckte. Mit dem Staubsauger in der Hand, neben ihr noch ein kleiner Hund und das Klischee ist perfekt: Nacktheit und ein niedlicher Hund + ultra-durchdachter Werbespruch: “Mein treuer Begleiter”. Warum das Model dafür keine Hose tragen darf, erschließt sich mir bis heute nicht- wobei: was damit erreicht werden soll, ist klar. Unnötig ist es meiner Meinung nach trotzdem. Ich denke, Firmen sollte bewusst sein, dass es mittlerweile deutlich mehr Kunden gibt, die umdenken. Die kritischer auf solche Werbeanzeigen reagieren und ihre Meinung dazu kundtun.

Ich habe nichts gegen Nacktheit und das ist für mich das Natürlichste der Welt. Und ich bin mir bewusst, dass irgendein urmenschlicher Teil unseres Gehirns dafür verantwortlich ist, dass wir auf Nacktheit reagieren, sie uns anspricht und für Aufmerksamkeit sorgt. Und ich weiß, dass die Firmen dies ausnutzen, denn: funktionieren tut es. Ob man dann aber einen Shitstorm riskieren will (wie in letzter Zeit eine gewisse Smoothie-Firma, die mit fragwürdigen Slogans wie “Abgefüllt und mitgenommen” geworben hat – im Prinzip das gleiche Vorgehen der verbalen Provokation, nur ohne Bild) sollte man sich, vor allem als Unternehmen, durchaus überlegen. Viele Instagram-Nutzer setzen auf Ihren Accounts, genau wie viele Firmen immer noch auf nackte Haut.  Und ich bin der Meinung, man sollte gut darüber nachdenken, welches Bild man abgeben möchte: mutig sein? Ja. Aber oberflächliches Like-erhaschen oder Kunden anlocken durch Nacktheit? Nein. In der Werbung möchte ich eher qualitativ gut durchdachte Slogans und Bilder sehen, etwas, das mich begeistert und sich von anderen Firmen unterscheidet.  Und Firmen, die heute noch auf Nacktheit als Kundenmagnet setzen .. sorry, aber da bin ich als Kunde raus. Dasselbe gilt übrigens für Menschen in sozialen Medien. In dieser völligen Reizüberflutung sortiere ich alles aus, was für mich keinen Mehrwert hat. Inhaltslos gepostete, halbnackte Bilder von bis zur Unkenntlichkeit retuschierten Damen? Für mich eindeutig kein “Daumen hoch”.

 

 

 

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