Corona in Zeiten von Social Media

“Wir sind die Flash Bros, wir sind Überlebende in Kiel. Wir senden auf allen sozialen Netzwerken. Wir sind jeden Tag zuhause zu finden, um die Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht. Wenn ihr da draußen seid, wenn irgendjemand da draußen ist… wir können Desinfektionsmittel bieten, wir können Nudeln bieten, wir können Toilettenpapier bieten … Wenn irgendjemand da draußen ist… irgendjemand… Bitte … Du bist nicht allein!”

Spaß beiseite. Heute geht es mal um ein ernstes Thema. Corona hat uns mittlerweile auch in Norddeutschland erreicht und sorgt für Hamsterkäufe und Verunsicherung. Auf der einen Seite die Kritiker, die sagen, es sei ja nur eine Grippe. Auf der anderen Seite sehen wir, was gerade in Italien passiert. Und wir sind ganz ehrlich: Auch uns beunruhigt das. Und nicht nur weil die Existenzen von zahlreichen Selbständigen auf dem Spiel stehen.

Deshalb heute die Frage: Was macht das Coronavirus mit den sozialen Medien und was macht das mit uns?

Ein Virus geht viral
Tagtäglich sind wir von Nachrichten umgeben. Morgens der erste Blick auf die Facebook-Timeline, danach rüber zu Instagram und anschließend noch schnell gucken, was die Kollegen im Whatsapp-Status gepostet haben. Off- und Online dominiert momentan nur ein Thema die Nachrichten: Das Corona Virus. Das Problem an der Sache? Zu viele Sender verursachen einen Informationsfluss, der anders als bei den Printmedien nicht durch eine redaktionelle Prüfung gegangen ist. Freunde teilen Informationen der Nachbarn, Medien generieren reichweitenstarken Content, der für Clicks sorgt und politische Akteure nutzen Social Media teilweise zur Manipulation der Wähler.

Das Spiel mit der Angst
Sind also Facebook und Instagram der Grund für Angst und Panik? Ein ganz klares „Nein“. Wir werden aber aufgrund unserer Emotionen Teil des Spiels. Früher hat man die Nachrichten gelesen und anschließend mit den Nachbarn und Arbeitskollegen diskutiert. Heute wird in den sozialen Netzwerken geteilt, kommentiert und diskutiert. Angst ist ein Motor, der unsere Interaktionen fördert. Man möchte andere warnen und Freunde und Familie in Sicherheit wissen. Leider bleibt hier im Eifer des Gefechts oftmals die Korrektheit und Relevanz auf der Strecke.

Die gute Nachricht
Wir kämpfen nicht allein. Facebook, Instagram & Co gehen massiv gegen Falschmeldung vor, auch wenn es im ersten Moment aussichtslos erscheint. So löschen Facebook und Instagram derzeit aktiv und automatisch Beiträge, die von Gesundheitsbehörden als gefährlich eingeschätzt werden. Wie zum Beispiel Wunderkuren und Werbung mit Heilungsversprechen. Als Gegenmaßnahme bekommen Behörden kostenlose Werbemöglichkeiten auf beiden sozialen Plattformen. Ähnlich reagieren die anderen sozialen Netzwerke. So verbringt Youtube beispielsweise gefährdenden Videos, während Twitter in Zusammenarbeit mit der BZgA ein Aufklärungswerkzeug entwickelt hat.

Die sieben Regeln gegen die Panik
Damit sich die Panik in den sozialen Netzwerken nicht weiter ausbreitet, sind wir alle aufgerufen, unser Handeln in den sozialen Netzwerken stets zu hinterfragen.

  1. Ich bin mir bewusst, dass eine von mir verbreitete Information gerade bei Freunden als verlässlich wahrgenommen wird. Dieser Verantwortung meinen Freunden gegenüber versuche ich gerade in schwierigen Situationen gerecht zu werden und poste deshalb nicht unüberlegt.
  2. Bevor ich etwas veröffentliche oder an meine Freunde schicke, atme ich dreimal tief durch und suche mindestens zwei verlässliche Quellen für die Informationen.
  3. Ich verbreite keine Gerüchte! Ich halte mich nur an bestätigte Informationen und versuche mich von Spekulationen fernzuhalten. Deshalb halte ich mich an offizielle Stellen, an seriöse Medien und verifizierte Accounts!
  4. Ich poste, retweete und verbreite keine Bilder und Filme, deren Herkunft ich nicht kenne. Ich bin mir bewusst, dass derartige Nachrichtenlagen Betrüger anziehen, die mit Absicht Fotomontagen und bewusste Lügen verbreiten. Ich unterstütze dies nicht durch unvorsichtiges weiterverbreiten.
  5. Informationen und Bilder, die im Zusammenhang mit der Tat stehen, übermittle ich der Polizei und mache sie nicht öffentlich – besonders dann nicht, wenn sie die Menschenwürde der Opfer verletzen und den Tätern nützen.
  6. Ich hüte mich davor, sofort Problemlösungen zu verbreiten. Ich kenne den Reflex des „kommentierenden Sofortismus“ (Bernhard Poerksen) und folge ihm nicht. Ich verbreite keine einseitigen Schuldzuweisungen und gebe diesen auch durch Retweets und Zitate keine Bühne.
  7. Egal wie schlimm die Situation sein mag, ich werde nicht in Panik verfallen und selber dazu beitragen, dass sich Angst verbreitet. Das ist das zentrale Ziel von Terror: Angst und Hass zu verbreiten. Dem widersetze ich mich! Durch mein eigenes Verhalten trage ich vielmehr dazu bei, Social-Media-Gelassenheit zu verbreiten. (Quelle: www.dirkvongehlen.de)

 

Scroll to Top